Einzelwohnung

Wohnen bringt heute für viele Menschen auch Isolation in ihrer Einzelwohnung mit sich. Denn in Europa leben in nur rund einem Viertel aller Wohnungen Familien mit Kindern. Alleine oder zu zweit zu leben ist also überwiegend der Normalzustand.

Die isolierte Einzelwohnung beschädigt das Grundbedürfnis zum täglichen Kontakt mit einer Bezugsgruppe

Doch die soziale Verankerung und Bindung sowie die Zugehörigkeit zu einer Gruppe sind wesentliche Grundbedürfnisse des Menschen. Werden sie unzureichend erfüllt, verliert die Wohnung schliesslich einen Teil ihrer Aufgabe als Ort des Lebens. Sie wird zum Schlafquartier. Verödete Stadtviertel ohne Anreize für eine positive Lebensgestaltung sind am Ende die Folge. Freizeit wird anderswo verbracht und der Kontakt zur eigenen Bezugsgruppe findet in anderer Umgebung statt.

Wohnprojekte haben das Ziel, ein Gegengewicht zu dieser Entwicklung zu sein. Sie machen die soziale Verankerung der Bewohnerinnen und Bewohner im gemeinsam bewohnten Gebäude wieder möglich. Sie schaffen das Gefühl der Gruppenzugehörigkeit im Wohnumfeld. Damit helfen sie, die Grundbedürfnisse der Menschen wieder an einem Ort zusammenzuführen. Das wird auch zum ökologischen Pluspunkt. Denn die Wege zu den Orten der Freizeitgestaltung werden kleiner, wenn das soziale Leben schon am Wohnort funktioniert.

Wertschöpfung aus Kombination der Lebenssituationen

Wohnprojekte bieten über die individuellen Wohnungen hinaus auch gemeinschaftliche Aktivitäten und machen enge Verbindungen im täglichen Leben möglich. Die Zahl von Menschen, die aus Wohnprojekten fortziehen ist deshalb klein, lange am Ort zu wohnen ist die Regel.

Damit gewinnt auch das Quartier. Die Schlafstadt mit reglementierten öffentlichen Bereichen und ihren sozialen Problemen wandelt sich. Sie wird zur Lebensstadt, in der sich mit Freude und Befriedigung aktiv sein lässt. Das ist auch der Grund für die hohe Anziehungskraft historisch gewachsener Stadtviertel. Berlin-Kreuzberg, das Hamburger Schanzenviertel oder der Grund und Bonnevoie in Luxemburg sind Beispiele dafür. Wohnen, Arbeiten und Kultur schaffen eine Situation, die alle Lebenssinne und Bedürfnisse im unmittelbaren Lebensumfeld miteinander kombiniert.

Mehr über das Gegengewicht zur isolierten Einzelwohnung auf den Seiten gemeinschaftlich Wohnen und Wohnformen.

Ein Beispiel für die Erweiterung des abgegrenzten Wohnbereichs um vielfältige Kontaktmöglichkeiten zur eigenen Bezugsgruppe beim Luxemburger Wohnprojekt adhoc.