Individueller Wohnbereich

Zentrum aller gemeinschaftlicher Wohnformen ist der individuelle Wohnbereich. Er markiert das wesentliche menschliche Bedürfnis, sich in einen ungestörten Bereich zurückziehen zu können. Hier unterliegt die Zutrittsmöglichkeit für andere Menschen ausschliesslich der eigenen Entscheidung. Hier lässt sich Intimität wahren und auch gestalterisch die eigene Behaglichkeit herstellen. In unserer heutigen mitteleuropäschen Gesellschaft ist die eigene Wohnung dem Individuum vorbehalten und schliesst dauerhafte gemeinschaftliche Aufgaben aus. Das ändert sich nur dann, wenn die Wohnform sich der Wohngemeinschaft annähert oder dann, wenn die Lebenssituation durch Einschränkungen einer wohnheim-ähnlichen Situation bedarf.

Wohnraum sparen

Doch auch der individuelle Wohnbereich kann schon in enge Beziehung zum sozialen Umfeld treten. Ein Beispiel dafür liefern Fragen nach der benötigten Wohnfläche: müssen alle Wohnungen in einem Gebäude eine eigene Waschmaschine haben, die immerhin rund 2 qm Platz benötigt? Müssen alle Wohnungen grosse Kinderzimmer haben, wenn es im Wohnprojekt einen gemeinsamen Spielbereich gibt? Lässt sich die Küche nicht kleiner auslegen, wenn es einen grossen Gemeinschaftsraum mit einer perfekt geplanten Küchenzeile gibt? – In einem Wohnprojekt gibt es viele Möglichkeiten, teuren eigenen Wohnraum überflüssig zu machen. Stattdessen werden viele notwendige Dinge im Gemeinschaftsbereich gemeinsam erledigt. Ein gutes Konzept für die Planung spart Kosten und fördert gute Nachbarschaft!

Erkennbare Individualität

Der heutige Wohnungsbau setzt überwiegend auf die Isolation des eigenen Wohnbereichs. Eingangstüren zu den Wohnungen in einem Mehrfamilienhaus werden weit auseinandergelegt. Uniform stellt sich von den Bewegungsflächen wie Treppenhäusern und Gängen jede Wohnung gleich und nur am Klingelschild unterscheidbar dar. Wohnprojekte können das anders machen: individuell gestaltete Zugangsbereiche, Vielfalt in Formen, Farben und Materialien der Flure und Treppenhäuser oder Akzente im Aussenbereich bieten Individualität und Erlebnis auch auf der Aussenseite der Wohnungen.

Das stärkt nicht nur die Individualität, sondern auch die Gemeinschaft im Haus. Denn die andernorts anonymen Nachbarn nehmen nun auch von aussen und für die Mitbewohner erkennbar Gestalt an. Sie werden in ihrem Lebensstil schlicht besser unterscheidbar. Im Wohnprojekt werden Bedürfnisse und Lebensgestaltungen zusammengeführt, um einen lebendigen Austausch zu fördern. So entsteht ein sozial stabiles System mit langfristigen Perspektiven. Ist die Zuordnung eines individuellen Wohnbereiches schon von aussen eindeutig erkennbar, wächst die Vertrautheit der Nachbarn miteinander. Und insgesamt die soziale Gemeinschaft.