Europäische Stadt

Die moderne Stadtplanung setzt den Gedanken des gemeinschaftlichen Wohnens konsequent fort und geht sogar noch einen Schritt weiter. Ihr Ziel ist es, die Mischung von Arbeiten, Wohnen und Leben in einen quartierswirksamen Prozess umzuwandeln und in dieser Form dann auch auf die einzelne Parzelle eines Gebäudes zu beziehen. In der „Düsseldorfer Erklärung zum Stadtbaurecht“ aus dem Jahr 2019 heisst es dazu:

Grundlegende Voraussetzung für einen gelungenen integrativen Städtebau ist die Ermöglichung funktionaler und sozialer Vielfalt. Diese sollte möglichst nicht nur quartiersweise, sondern auch auf der einzelnen Parzelle entwickelt werden. Hierfür bedarf es geeigneter städtischer Gebäudetypologien, wie sie im Städtebau der Europäischen Stadt mit ihren Wohn– und Gewerbehöfen zu finden ist.

Düsseldorfer Erklärung zum Stadtbaurecht – herausgegeben vom Deutschen Institut für Stadtbaukunst e.V. – Frankfurt am Main 2019

Dieses Konzept einer modernen Stadt, die intensiv auf die aktuellen Bedürfnisse für Wohnen und Arbeiten eingeht, haben inzwischen mehr als 100 Deutsche Bürgermeister und Stadtbaureferenten unterschrieben. Sie nehmen damit ein eigentlich schon altes Konzept auf: Hausfassaden zum öffentlichen Strassenraum mit adäquater Wohnnutzung und private Räume mit Gärten und Freizeitmöglichkeiten zum Innenhof. Ergänzt durch kleinteilige gewerbliche Nutzung.

Die Forscher des Instituts für Stadtbaukunst halten in diesem Zusammenhang verschiedene Teile der Bauleitplanung in europäischen Städten für überholt. So zum Beispiel die Ausweisung allgemeiner Wohngebiete. Zu ihnen heisst es in der Düsseldorfer Erklärung:

Im „Allgemeinen Wohngebiet“ bedarf es einer stärkeren Öffnung des Nutzungskataloges für Gebäude mit wohnverträglichem Gewerbe und moderner wohnverträglicher Produktion für freie Berufe sowie für Sportstätten.

Düsseldorfer Erklärung – wie oben

Solche Zuschnitte kennen wir unter anderem aus der Gründerzeit. Sie sind heute die Quartiere mit der groessten Anziehungskraft: egal, ob in Berlin Kreuzberg, dem Hamburger Schanzenviertel oder den Luxemburger Stadtteilen Grund und Bonnevoie. Es ist damit kein Zufall, dass Wohnprojekte gerade diese Planung einer vielfältigen Mischung vom Beginn ihrer eigenen Entwicklung an verfolgen. Wobei es ihnen ein Leichtes ist, Fehler der Vergangenheit zu vermeiden. Beispielsweise, indem sie der räumlichen Enge von Innenhöfen zur Zeit der Industrialisierung Grundrisse gegenüberstellen, die dem modernen Platzbedarf und den modernen Erkenntnissen über gesundes Wohnen gerecht werden.

Beispiele für einen solchen Planungsansatz liefert unter anderem die gemeinnützige Wohngenossenschaft adhoc in Luxemburg. Soziale und wirtschaftliche Mischung im Sinne der modernen europäischen Stadt ist fester Bestandteil ihres Konzepts für Wohnprojekte. Mehr dazu auf der website adhoc.lu