Konzeptvergabe-Verfahren

Seit rund 30 Jahren nutzen europäische Gemeinden und Städte das Verfahren zur Konzeptvergabe. Sie schreiben Immobilien für Wohnprojekte, Baugruppen und andere Formen gemeinschaftlichen Wohnens nicht nach dem Prinzip des Höchstgebotes aus. Das Verfahren der Konzeptvergabe ist ein Wettbewerb um die beste Idee für ein Wohnprojekt.

Das macht Sinn, weil gemeinschaftliche Wohnformen andere Ziele als die Steigerung der monetären Rendite haben: Sie streben ein Maximum an sozialer Vernetzung an und schaffen ein langfristig lebenswertes Quartier. Sie bauen ökologisch und gesund. Gleichzeitig senken sie die Kosten für Wohnungen und Arbeitsraum. Kurz: gemeinschaftliches Wohnen stellt die soziale Rendite eines Projektes vor das Ziel einer Rendite in Geld.

Wettbewerb zu fairen Konditionen

Am Wettbewerb für ein Grundstück nehmen beim Verfahren der Konzeptvergabe ausschliesslich Projektgruppen für neue Wohnformen teil. Den Zuschlag bekommt diejenige Gruppe, die für den konkreten Standort das beste Konzept liefert. Gemessen wird das an den sozialen, ökologischen und nachhaltigen Zielen der Planung und daran, welcher Erfolg des Projektes zu erwarten ist.

Ihre Projektgruppe auf die Teilnahme an einer Konzeptvergabe vorzubereiten gehört zu unseren zentralen Kompetenzen. Dabei organisieren wir die Gruppe für ihre Arbeit und unterstützen sie dabei, ihre Wünsche wie Bedürfnissen klar zu formulieren. Wir stehen Ihnen mit unserer Erfahrung zur Seite und begleiten Ihren Weg zum Projekt-Grundstück. Gezielt auf Pacht oder Kauf einer Fläche für das gewünschte Gebäude hinzuarbeiten ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, ein Wohnprojekt schnell entstehen zu lassen.

Bestandteile einer Ausschreibung nach dem Verfahren der Konzeptvergabe:

  • Die Vergabe der Immobilie aufgrund der Qualität des sozialen, ökologischen und nachhaltigen Konzepts der Projekte, die sich bewerben
  • Im Vergleich der Entwürfe ist die Güte der inhaltlichen Planungen ausschlaggebend. Das finanzielle Höchstgebot eines Bieters wird nicht berücksichtigt
  • Es sind Konzepte für Struktur, Bau und Finanzierung der Bewerber-Projekte einzureichen. Umsetzungsreife Baupläne und fertig ausgehandelte Pläne zur Finanzierung werden erst später erforderlich
  • Projekte, die sich bewerben, schliessen die Absicht zum Erzielen einer finanziellen Rendite aus. Im Idealfall sind sie sogar gemeinnützig
  • Das Sieger-Projekt der Ausschreibung hat ein Jahr Zeit zur Ausarbeitung der konkreten Baupläne und zur Sicherung der Finanzierung. In diesem Zeitraum bekommt es eine vorläufige Zusicherung der Immobilie
  • Das Projekt verpflichtet sich, sein Konzept und die Methoden der Umsetzung anschliessend anderen interessierten Projekten zugänglich zu machen, die ähnlich vorgehen wollen

Das Verfahren zur Konzeptvergabe richtet sich also direkt an Projektgruppen mit sozialen Zielen. Investoren nehmen in der Regel nicht daran teil. Sie können keinen finanziellen Gewinn erwirtschaften. Unter sozialen Gesichtspunkten geplante Wohnungen können später nicht zweckwidrig verkauft werden.

Die Detailplanung beginnt nach Zusage für das Grundstück

Die Angebote im Wettbewerb enthalten noch kein realisierungsreifes Konzept für die Bauplanung und noch keine Detailplanung des Architekten. Auch die abschliessende Finanzierungs-Zusage einer Bank wird nicht gefordert. Denn Wohnprojekte verfügen in der Regel nicht über das Kapital, um die Planungen bereits bei Abgabe ihrer Bewerbung umsetzungsreif abzuschliessen. Und sie kennen zum Zeitpunkt einer Ausschreibung auch noch nicht alle künftigen Bewohner. Ein Grossteil davon kommt erst nach dem Zuschlag im Wettbewerb zum Projekt.

Das Siegerprojekt hat deshalb meist ein Jahr Zeit, um seine Planungen fertig zu stellen und die Finanzierung abzuschliessen. Die Erfahrung zeigt, dass innerhalb dieses recht knapp bemessene Zeitraums alle Details des Wohnprojektes zu klären sind und unterschriebene Verträge vorliegen. Während dieses Jahres erhält das Projekt eine feste Zusage für das Grundstück – die sogenannte Anhandgabe. Gelingt es der Bewerbergruppe nicht, die Planungen abzuschliessen, alle Bewohner einzuwerben und eine Zusage der Bank zu erhalten, bekommt das zweitplatzierte Projekt die Chance, dies mit seinem Konzept umzusetzen.

Gründliche Vorbereitung statt schneller Bau

Das Verfahren der Konzeptvergabe benötigt meist Geduld der Stadtplanung. Denn die Entstehung eines Wohnprojektes ist ein Verfahren, das sich unter intensiver Beteiligung der künftigen Bewohnerschaft entwickelt. Dieser partizipative Prozess liefert dann jedoch ein Projekt, das dauerhafte soziale Stabilität verspricht. Es kann so zum wichtigen Kern für die Entwicklung eines Quartiers werden.

Details zur Konzeptvergabe sind unter anderem in einer Broschüre enthalten, die vom Bundesland Rheinland-Pfalz (Deutschland) für die Praxis zusammengestellt worden ist. Sie beschreibt die Prozeduren der Vergabe, die rechtlichen Bedingungen in Deutschland und Erfahrungen mit der Methode. Damit eignet sich die Anleitung auch für Vergabeverfahren privater Organisationen und als Checkliste bei der direkten Vergabe von Grundstücken. Eine ähnliche Anleitung, die sich ausdrücklich an Wohnprojekte richtet, existiert für Luxemburg derzeit noch nicht.

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Hinweise auf Literatur zum Verfahren der Konzeptvergabe auf der Seite Tipps.